Ratgeber Japanische Farbholzschnitte

Ein Bild erklärt

Hiroshige, „Abendschnee in Kanbara“: Was das Bild zeigt und wie es entstand

Hiroshiges Schneebild aus Kanbara gilt als eines der schönsten Blätter seiner berühmten Tōkaidō-Serie. Es ist ein Farbholzschnitt von etwa 24 x 37 cm und kommt mit wenigen Farben aus: Grau, Weiß und ein wenig Schwarz. Gerade diese Zurückhaltung macht es zu einem Winterbild, das man lange ansehen kann.

Kanbara, Abendschnee, Utagawa Hiroshige (1797–1858), um 1833/34

Was ist auf dem Bild zu sehen?

  • Das Dorf: Niedrige Häuser ducken sich unter dicken Schneedächern an einen Hang. Kein Fenster ist erleuchtet, die Straße ist leer.
  • Drei Gestalten: Zwei gehen bergauf, eine kommt ihnen entgegen. Sie tragen Schirme, Strohmäntel und Strohschuhe und gehen gebeugt durch den hohen Schnee.
  • Die Berge: Hinter dem Dorf steigen weiße Hänge auf, darüber liegt ein dunkler Nachthimmel, der nach oben hin heller wird.
  • Die Stille: Es fallen noch Flocken, aber nichts bewegt sich schnell. Das Bild zeigt weniger eine Landschaft als eine Stimmung.

Titel, Serie und Entstehung

Der japanische Titel Kanbara, yoru no yuki heißt „Kanbara, Schnee am Abend“ oder „Nachtschnee“. Kanbara war eine der Raststationen an der Tōkaidō, der Küstenstraße zwischen Edo (Tokio) und Kyoto. Hiroshige zeigte alle 53 Stationen, dazu Anfang und Ziel der Reise, in der Serie „53 Stationen des Tōkaidō“, die um 1833/34 beim Verleger Takenouchi Magohachi (Verlagsname Hōeidō) erschien. Sie machte den damals gut dreißigjährigen Hiroshige mit einem Schlag bekannt.

Wie bei Hokusai entstand jedes Blatt in Arbeitsteilung: Hiroshige zeichnete, Holzschneider schnitten für jede Farbe eine eigene Platte, Drucker druckten von Hand. Für den Himmel nutzten sie die Technik bokashi, bei der die Farbe auf der Platte von Hand verlaufend aufgetragen wird. So entsteht der weiche Übergang vom dunklen zum helleren Grau.

Schnee in Kanbara?

Kanbara liegt an der Suruga-Bucht, in einer milden Gegend, in der kaum Schnee fällt. Deshalb gilt das Bild als eine freie, erfundene Szene und nicht als Reisebericht. Hiroshige ging es um das Gefühl einer Winterreise, nicht um den Wetterbericht. Das ist einer der Gründe, warum das Blatt bis heute so oft gezeigt wird.

Ein Blatt mit Geschichte

Der Abzug, nach dem unser Druck entstand, gehört dem Art Institute of Chicago (Inventarnummer 1925.3517). Er stammt aus der Sammlung des Architekten Frank Lloyd Wright, der japanische Holzschnitte sammelte und mit ihnen handelte. Von ihm kaufte ihn der Chicagoer Sammler Clarence Buckingham; seine Schwestern schenkten ihn 1925 dem Museum.

Abendschnee als Kunstdruck: worauf achten?

  • Format: Das Original ist ein Querformat Ōban, rund 2:3. Auf 40 x 30 cm (4:3) drucken wir mit hellem Rand, damit Titelkartusche und Signatur vollständig bleiben.
  • Grautöne: Das Bild lebt von feinen Abstufungen. Auf mattem Papier bleiben sie ruhig; auf glänzendem Papier spiegeln dunkle Flächen leicht.
  • Platz: Ein stilles Motiv für Schlafzimmer, Flur oder Leseecke. Neben Hokusais kräftig blauer Großer Welle wirkt es wie ein Gegenstück.
  • Rahmen: 30 x 40 cm ist ein Standardformat. Ein schmaler schwarzer oder grauer Rahmen betont die Nacht, ein heller Holzrahmen macht das Bild wärmer.

Darf man Hiroshige drucken und verkaufen?

Ja. Hiroshige starb 1858, das Werk ist längst gemeinfrei. Fotografische Reproduktionen gemeinfreier Bilder sind in Deutschland seit 2021 nicht mehr eigens geschützt (§ 68 UrhG). Das Art Institute of Chicago gibt seine Datei außerdem ausdrücklich frei (CC0).

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