Ratgeber Japanische Farbholzschnitte
Ein Bild erklärt
Die große Welle vor Kanagawa: Was das Bild zeigt und wie es entstand
Kaum ein Bild ist so oft kopiert worden wie Hokusais Große Welle. Auf Tassen, Socken und Handyhüllen ist sie zum Muster geworden. Dabei lohnt es sich, das Blatt einmal genau anzusehen: Es ist ein Farbholzschnitt von etwa 26 x 38 cm und steckt voller Einzelheiten.

Was ist auf dem Bild zu sehen?
- Die Welle: Links türmt sich ein Brecher auf, dessen Kamm in krallenartige Gischt zerfasert. Er steht kurz davor, über den Booten zusammenzuschlagen.
- Drei Boote: Lange, schmale Ruderboote mit geduckten Ruderern. Solche schnellen Boote brachten frischen Fisch aus der Bucht in die Stadt Edo, das heutige Tokio.
- Der Fuji: Klein und schneebedeckt steht der Berg am Horizont, eingerahmt vom Wellental. Er ist das eigentliche Thema der Serie und wirkt neben der Welle fast wie ein weiterer Wellenkamm.
- Die Schrift: Oben links stehen in einem Kästchen Serie und Titel, daneben Hokusais Signatur.
Titel, Serie und Entstehung
Der japanische Titel Kanagawa oki nami ura heißt wörtlich etwa „Unter der Welle vor Kanagawa“. Das Blatt gehört zur Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ (Fugaku sanjūrokkei), die um 1830 bis 1833 erschien; wegen ihres Erfolgs kamen zehn weitere Blätter hinzu. Hokusai war damals um die siebzig Jahre alt.
Wie alle Farbholzschnitte der Zeit entstand das Bild in Arbeitsteilung: Hokusai zeichnete, Holzschneider schnitten für jede Farbe eine Platte, Drucker druckten von Hand, ein Verleger finanzierte und verkaufte die Blätter. Gedruckt wurde, solange die Nachfrage reichte. Deshalb gibt es viele Abzüge, die sich in Farbe, Schärfe und Erhaltung unterscheiden. Exemplare besitzen etwa das Metropolitan Museum in New York, das British Museum in London und das Art Institute of Chicago.
Warum ist das Blau so kräftig?
Für die Serie wurde reichlich Preußischblau (Berliner Blau) verwendet. Das künstliche Pigment war Anfang des 18. Jahrhunderts in Berlin erfunden worden und kam erst in den 1820er Jahren in größeren Mengen nach Japan. Es leuchtet stärker und hält besser als die älteren Pflanzenblaus. Das tiefe Blau der Welle war für das Publikum damals neu und modern.
Von Edo nach Europa
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen japanische Holzschnitte in großer Zahl nach Europa. Künstler wie Monet, Degas und Van Gogh sammelten sie; die Begeisterung erhielt den Namen Japonismus. Claude Debussy ließ 1905 einen Ausschnitt der Großen Welle auf den Umschlag der Erstausgabe seines Orchesterwerks „La Mer“ drucken. Spätestens damit wurde das Bild auch in Europa zu einer Ikone.
Die Große Welle als Kunstdruck: worauf achten?
- Format: Das Original ist ein Querformat Ōban, rund 2:3. Auf 40 x 30 cm (4:3) passt es nur mit hellem Rand oben und unten oder mit Beschnitt an den Seiten. Wir drucken mit Rand, damit Signatur und Titelkästchen vollständig bleiben.
- Papierton: Gute Reproduktionen zeigen das gealterte, leicht gelbliche Papier des Originals. Ein reinweißer Hintergrund ist meist nachträglich bearbeitet.
- Vorlage: Achten Sie auf eine genannte Bildquelle. Unser Druck beruht auf der hochaufgelösten Datei des Art Institute of Chicago, die das Museum ausdrücklich freigibt (CC0).
- Rahmen: Für 40 x 30 cm gibt es Standardrahmen fast überall. Ein schmaler, dunkler Holz- oder Metallrahmen passt zum Blau, ein heller Rahmen lässt das Papier wärmer wirken.
Darf man die Große Welle drucken und verkaufen?
Ja. Hokusai starb 1849, das Werk ist längst gemeinfrei. Fotografische Reproduktionen gemeinfreier Bilder sind in Deutschland seit 2021 nicht mehr eigens geschützt (§ 68 UrhG). Geschützt sein können aber neue Bearbeitungen, etwa nachkolorierte oder neu gezeichnete Fassungen, und Marken, die das Motiv als Logo nutzen.
Unser Druck
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